Wärmende Worte

Wärmende Worte – Was wertschätzende Kommunikation bedeuten kann

Einer Sache einen hohen Wert zusprechen. Jemanden als wertvoll und kostbar zu beschreiben. Einen lieben Menschen wirklich zu schätzen wissen und dies zu zeigen. Etwas oder jemanden so gut finden, dass man es, ihn oder sie so wertvoll wie einen Schatz findet.
Bei diesen Worten wird deutlich, was „Wert-schätzung“ bedeuten kann.
Wertschätzung in Form von positivem Feedback, Lob, Anerkennung, Respekt oder Liebe ist essentiell für das eigene Selbstwertgefühl aber auch für das gesamtgesellschaftliche Miteinander. Wertschätzung zeigt sich durch Vieles, vor allem auch durch und in der Sprache. Warum nur, scheint es gar nicht so einfach zu sein, wertschätzend zu kommunizieren…?

Wertschätzung – es gibt kein Geheimrezept

Das wirklich komplizierte daran ist, dass es kein Geheimrezept für positive Sprache gibt. Manchmal kann es wertschätzend sein, etwas zu sagen, manchmal zu Schweigen. Ein klares „Ja“ kann Respekt zeigen, ein lautes „Nein“ aber ebenso. Ein Lob zeugt von Anerkennung, eine ehrlich kritische Rückmeldung aber auch. Ein Wort, eine Bemerkung kann in der einen Situation passend sein, in der anderen wieder das Gegenteil bewirken. Ein liebes Kompliment kann der Seele schmeicheln, in anderen Momenten erzeugen zum Beispiel vergleichende Komplimente eher schlechte Gefühle.
Nicht nur die Situationen sind verschieden: Wo der eine Mensch offene Anerkennung genießen kann braucht der Andere eher stille, indirekte Wertschätzung. Manch eine fühlt sich wert-geschätzt, wenn sie in Ruhe gelassen wird. Manch anderer braucht es vielleicht, gehalten zu werden. Es zeigt sich ganz klar: So einfach ist das nicht mit der Wertschätzung. Wenn also jede Situation und jede Person individuelle Faktoren in ein Gespräch mitbringt, kein Wunder, wenn da die Botschaft manchmal nicht ankommt.

Ein kleines Beispiel aus meinem Alltag: Bei der Suche nach einem geeigneten Titel für meine Workshopreihe zu wertschätzender Kommunikation, gefiel mir „Warme Worte“ besonders gut. Dann wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass man „warme“ Wort auch ganz un-wertschätzend verstehen könnte. Jaja danke für die warmen Worte– im Sinne von etwas nicht ernst zu nehmen oder ganz und gar nicht zu schätzen. Jemanden abspeisen mit ein paar warmen Worten. Warme Worte als Geschwätz oder als leere Worte. Puh- das war ganz und gar nicht meine Absicht! Warme oder wärmende Worte meint eine Kommunikation, die das zwischenmenschliche Eis schmelzen lässt. Worte die das Herz erwärmen und wertschätzendes und produktives Miteinander möglich machen. Es wird deutlich: Den „richtigen Ton“ zu treffen oder das passende, wertschätzende Wort zu finden, ist gar nicht so einfach. Es fordert Selbstreflektion, Achtsamkeit, ein bisschen Übung in wertschätzender Kommunikation und auch die Stärke auszuhalten, sollte es mal daneben gehen.

Wirkungsvolle Wertschätzung

Kommunikation ist allgegenwärtig. Wir sprechen, gestikulieren, schreiben jeden Tag. Warum also dies nicht ganz bewusst wertschätzend, ziel- und lösungsorientiert und positiv gestalten?

Dass die Sprache und die Art und Weise wie wir kommunizieren eine große Wirkung auf das Ergebnis hat, ist weit bekannt. Schließlich gibt es zahlreiche Angebote, von Coaching, Therapie, Mediation, Feedback-Kurse, Fortbildungen zu Mitarbeiterführung und endlos viele Bücher und Artikel zur Verbesserung der Kommunikation. Dennoch wird die Wirkung meiner Meinung nach immer noch unterschätzt. Wertschätzende Kommunikation als „schleimen“, „schwach“, „unnötig“ oder „nur was für Weicheier“ abgetan. Dabei sind die Effekte positiver Sprache vielfach belegt worden.

Beispielsweise wirken sich Komplimente in der Gesprächstherapie positive auf die Klienten und Therapeuten aus und erhöhen somit den Therapieerfolg.[1] Auch im Bereich der Arbeit, ist Wertschätzung wirkungsvoll: Positives Feedback hat nachweislich stärkeren Einfluss auf das Verhalten von Mitarbeitenden (als negative Kritik), fördert die Leistung und schafft ein Klima der Offenheit und des Vertrauens.[2] Und die Wirkung hört nicht beim Gegenüber auf: Wer jeden Tag etwas Wertschätzendes tut, der fühlt sich selbst auch wohler und ist mit seinem oder ihrem Leben zufriedener.[3] Positive Kommunikation hat eine Wirkung auf unseren Körper und unsere Persönlichkeit. Denn Wertschätzung aktiviert das Belohnungszentrum im Gehirn und hemmt das Angstzentrum. So können sich beispielsweise Kreativität, Motivation und unsere Beziehungsfähigkeit erhöhen. Dass das langfristig sogar unsere Persönlichkeit positiv beeinflusst, wirkt nur logisch.[4]

…wärmende Worte ist Kommunikation die hilft, produktiv ein gemeinsames Ziel zu verfolgen

Für mich beinhaltet „wertschätzende Kommunikation“ eine Vielzahl von Theorien, Strategien und Konstrukten. So können die „Gewaltfreie Kommunikation“ nach Rosenberg[5] oder das „Kommunikationsquadrat“ nach Schulz von Thun[6] dabei eine Rolle spielen. Die systemische Herangehensweise, offene Fragen und eine innere Haltung wirklicher Neugierde[7], gehören dazu. Aber auch ein Bewusstsein über non-verbale Kommunikation. Der Ton macht schließlich die Musik, so heißt es. Ein Blick sagt mehr als tausend Worte, man kennt es. Ebenso die Selbstreflektion: Was bringe ich mit in ein Gespräch? Wie reagiere ich auf mein Gegenüber und warum fällt meine Reaktion so aus… und nicht anders? Da eine genaue Erklärung zu finden, ist nicht einfach. Für mich sind wärmende Worte eine Kommunikation die hilft, dass man produktiv ein gemeinsames Ziel verfolgen kann. Wenn Worte nicht hindern, sondern helfen. Wenn Sätze nicht verletzen, sondern Verständnis fördern. Wenn Sprache nicht einschränkt, sondern erweitert. Wenn ein positives Miteinander gestaltet werden kann und dadurch eine gute Arbeitsatmosphäre entsteht. Was die Theorien und Experten-Tipps für mich gemeinsam haben ist, dass sie raten, mal einen genauen Blick auf die innere Haltung zu werfen.

Die innere Haltung im Gespräch

Wenn also jedes Wort in jeder Situation anders wirken kann, wie also soll man dann wissen, wann und wie man wertschätzend Sprechen kann? Eine Basis dafür kann die innere Haltung sein. Was für eine Grundeinstellung bringe ich mit in ein Gespräch? Was denke ich prinzipiell über mein Gegenüber? Was ist mein inneres Ziel für den Austausch… oder sogar insgesamt für die Menschheit? Gehe ich in eine Situation mit tiefem Misstrauen, werde ich mich anders verhalten, als wenn ich daran glaube, dass gute Kommunikation gelingen kann. Habe ich Vorurteile, denke ich, dass mein Gegenüber sowie so nicht zuhört- es wird meine Sprache beeinflussen. Und andersherum: Glauben Sie, dass es einen Unterschied macht, ob Sie sich bewusst eine innere Haltung einnehmen? Was glauben Sie macht es mit Ihrem Kommunikationsstil, wenn Sie die grundlegende Einstellung für Ihr Gespräch mitbringen: Vertrauen. Zuversicht. Wertschätzung. Offenheit. Wissen Sie denn, was Ihre Einstellung in bestimmten Situationen ist? Kennen Sie Momente, in denen Sie sehr wertschätzend kommunizieren? Oder auch Momente, in denen Sie das Gegenteil tun? Sind Sie neugierig, Ihrem persönlichen, wertschätzenden Kommunikationsstil ein bisschen auf die Spur zu kommen?

Impulsfragen – Wie kommuniziere ich?

Ich lade Sie ein, sich ein paar ruhige Minuten Zeit zu nehmen, um die folgenden Impulsfragen zu lesen und für sich zu beantworten. Notieren Sie sich gern auch Ihre Gedanken dazu.

  • Welche Situation kommt Ihnen in den Sinn, in der Sie beobachten konnten, wie Menschen Wertschätzung austauschten?
  • Was genau war das Wertschätzende und wie wurde es aufgenommen?
  • Was denken Sie über wertschätzende Kommunikation?
  • Wann finden Sie sie wichtig? Wann merken Sie innere Widerstände dagegen?
  • Wann haben Sie das letzte Mal etwas Wertschätzendes gehört, erhalten? Wie haben Sie reagiert?
  • In welchen Situationen reagieren Sie meistens positiv, respektvoll im Gespräch?
  • In welchen Situationen erleben Sie häufig Abwertung, wo entstehen oft Missverständnisse?
  • Welche innere Haltung entdecken Sie in diesen Momenten?
  • Welche innere Haltung würden Sie gerne einnehmen?
  • Wann erleben Sie sie schon bei sich oder bei anderen?
  • Und wie, können Sie ein bisschen mehr dieser Haltung, in Ihren Alltag bringen…?

[1] Wall, M. D., Amendt, J. H., Kleckner, T., & Bryant, R. D. (1989). Therapeutic compliments: Setting the stage for successful therapy. Journal of Marital and Family Therapy, 15(2), 159-167.

[2] Bungard, W. (2005). Feedback in Organisationen: Stellenwert, Instrumente und Erfolgsfaktoren. Mannheimer Beiträge zur Wirtschafts- und Organisationspsychologie, 20 (2), 3 – 13.

[3] Layous, K., Nelson, S. K., Kurtz, J. L., & Lyubomirsky, S. (2017). What triggers prosocial effort? A positive feedback loop between positive activities, kindness, and well-being. The Journal Of Positive Psychology, 12(4), 385-398.

[4] Haller, R. (2020). Das Wunder der Wertschätzung. Wie wir andere stark machen und dabei selbst stärker werden. Gräfe und Unzer Verlag GmbH

[5] Rosenberg, M. B. (2016). Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens. Junfermann Verlag GmbH.

[6] von Thun, F. S. (1981 entwickelt). Das Kommunikationsquadrat. Verfügbar unter https://www.schulz-von-thun.de/die-modelle/das-kommunikationsquadrat [10.02.2020].

[7] De Jong, P., & Berg, I. K. (2014). Lösungen (er) finden: das Werkstattbuch der lösungsorientierten Kurztherapie. verlag modernes lernen.

2 Kommentare zu “Wärmende Worte

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