Die Planschkuh im Keller? – Mal-Vorurteile überwinden

Begleitetes Malen im Frühjahr – Drei „bunte“ Impulsbeiträge

Willkommen bei der Interviewreihe mit Impulsbeiträgen rund um das Thema Begleitetes Malen. Wer neugierig ist, was Begleitetes Malen genau bedeutet, der wird in hier fündig. In diesen Impulsbeiträgen habe ich Malbegleiter und Atelierinhaberinnen eingeladen, sich mit mir auszutauschen, über die Wichtigkeit des Malens für Kinder, über die heilende Wirkung von Begleitetem Malen und welche Vorurteile es möglicherweise auf dem Weg zu überwinden gilt. Lernen sie wundervolle Ateliers – vielleicht in Ihrer Nähe? – kennen und entdecken Sie eine farbige Welt. Die heutigen Impulse kommen von Edith Röhr und Yvonne Strelow-Weiß und ihrem Atelier MalRaum FARBENFLUSS.

Die Planschkuh im Keller? – Mal-Vorurteile überwinden

Hallo Edith und hallo Yvonne. Du Edith, nicht nur Heilpraktikerin und Sozialpädagogin, und du Yvonne, nicht nur Erzieherin und Krankenschwester, sondern auch Malbegleiterinnen. Ihr habt euch zusammengetan und euer Atelier MALRAUM FARBENFLUSS in Rüsselsheim eröffnet. Was erwarten denn die Menschen, wenn sie zu euch ins Atelier kommen – und gibt es da Unterschiede bei Kindern und Erwachsenen?
Bei uns im MalRaum FARBENFLUSS gibt es für Kinder, Jugendliche und Erwachsene einen „FreiRaum“ zum Experimentieren und Ausprobieren beim Malen. Für die Kinder ist das Begleitete Malen neben dem kreativen Spiel mit den Farben auch ein Raum, um zu erzählen, was gerade so wichtig ist. Diese Themen werden dann auch gerne beim Bildmotiv aufgegriffen. Oft haben die entstandenen Bilder auch einen Familienbezug. Die Kinder gehen da insgesamt entspannt ran und freuen sich an dem eigenschöpferischen und kreativen Prozess im MalRaum.

Erwachsene sind beim Malen häufig sehr mit dem Kopf dabei. Bei ihnen können wir oft hören: „Ich kann ja gar nicht malen!“ oder „Ein Gesicht (einen Baum, eine Teekanne, eine Hand…) male ich da jetzt nicht rein, dann versaue ich mir mein Bild!“. Erwachsene erwarten und erfragen häufig ein Feedback der Malbegleiterin zur Qualität des Bildes oder haben technische Fragen zum Bildaufbau oder dem Farbenmischen. Vor allem zu Beginn liegt bei ihnen ein wichtiges Augenmerk auf der künstlerischen Umsetzung. Je öfter sie malen und je mehr sich die Vertrauensbasis vertieft, desto eher werden auch persönliche Themen bei der Malbegleiterin angesprochen und bearbeitet.
Aber es gibt auch die Erwachsene, die es lieben, ganz ohne Impulse der Malbegleiterin loszulegen und sich freuen, einfach frei malen zu können – ohne jede Vorgabe, „nicht wie in der Schule“. Und auch das darf sein und ist gut.

Wir als Malbegleiterinnen sehen unsere Aufgabe darin, im MalRaum jeder Malenden, jedem Malenden ihre und seine nötigen kreativen Spielräume zu lassen. Wir begleiten sehr zurückhaltend und mit vorsichtigen Schritten. Auf Basis einer wachsenden Beziehung zwischen Malbegleiterin und Malenden vertiefen wir dann bei Bedarf durch unsere Impulse die Malbegleitung. Hierbei ist es uns wichtig, den Malprozess nicht zu früh durch Interventionen zu beeinflussen.

Ein Kind, welches mit einem Gehfrei-Wagen laufen lernt, kann dann zwar schneller laufen – aber erreicht nicht die Stabilität und Sicherheit im Körpergefühl wie ein Kind, welches sich die Fähigkeit des Laufens in kleinsten Schritten selbst erarbeitet hat.

Mit diesem Beispiel vor Augen interagieren wir im MalRaum mit den Malenden – die Entwicklung geht immer von der Malenden aus und nicht von uns Malbegleiterinnen.

Ich selbst erlebe immer wieder, mit welcher Freude und Leichtigkeit Kinder malen und diese kreativen Räume für sich nutzen. Ihr habt angesprochen, dass aber nicht alle Erwachsene von Beginn an freudig und tiefenentspannt ans Malen gehen. Wie ist es denn mit den „Großen“?
Ja, einfach unvoreingenommen mit Freude und Leichtigkeit ans Malen zu gehen, ist bei vielen Erwachsenen durch ein verkopftes Herangehen erstmal blockiert. Hier liegt dann unsere Herausforderung als Malbegleitung, bei den Malenden eine eher intuitive Malweise zu fördern, auch spontane Ideen zuzulassen und auf das eigene Bauchgefühl zu lauschen. Dies können wir zum Beispiel durch Impulse wie das Malen von Entspannungs- oder Bewegungsbildern fördern.

Mit Experimentier-Bilder Sicherheit entwickeln – sich rüsten für wichtige Themen

Bei den Kindern erleben wir häufig, dass zu Beginn gerne Bilder für andere oder bestimmte Anlässe wie Geburtstage gemalt werden. Ganz hoch im Kurs stehen Experimentier-Bilder, bei denen die ganze Farbpalette durchprobiert wird. Das darf dann auch gerne sein. Die Kinder entwickeln durch diese Arbeiten, neben jeder Menge Freude, auch eine Sicherheit mit der Arbeit im MalRaum, mit den Materialien, Rahmenbedingungen und der persönlichen Begleitung. Mit dieser Sicherheit entstehen dann später auch Bilder, die für die Kinder wichtig sind oder auch aktuelle Themen betreffen können. Dieser Aufbau von Sicherheit kann auch Erwachsenen guttun.

Manchmal liegt allerdings auch die Herausforderung an uns Malbegleiterinnen, den kreativen Prozess bei allzu wildem Umgang mit der Farbe durch Hinweise auf die Regeln der Malbegleitung wieder in ruhigere Bahnen zu lenken. Das braucht dann ein wertschätzendes Fingerspitzengefühl, damit die Malenden trotzdem weiterhin Lust haben, zu experimentieren und ihre Kreativität zu erleben.

„Ich kann doch gar nicht malen“! – Zwischen Selbstwahrnehmung und Erwartungsdruck

Farbenfrohe Experimentier-Bilder wie ihr sie nennt und dann vielleicht auch noch mit den Fingern. Das wird von manchem vielleicht als „Planschkuh im Keller“, also als oberflächliches Rumgematsche abgetan. Wir haben von euch aber erfahren dürfen, wie wertvoll solche Bilder im Malprozess oder zum Aufbau eigener Sicherheit sind. Welche Vorurteile kennt ihr außerdem, mit welchen skeptischen Fragen kommen Erwachsene noch zu euch?
Unserer Erfahrung nach gibt es vor allem bei Erwachsenen, aber auch schon bei Kindern die Selbstwahrnehmung: „Ich kann doch gar nicht malen“! Das bezieht sich meist auf gegenständliche Motive wie Gesichter, Körper oder Tiere. Der eigene Erwartungsdruck, aber auch die Angst vor Bewertungen von außen und von sich selbst (!) wird oft als Begründung genannt. Wie einzelne Malende an dieses Thema herangehen, hängt oft von den eigenen Erfahrungen mit dem Malen in der Schule und als Kind ab. Die gute Nachricht: Man kann sich egal in welchem Alter neue Erfahrungen schaffen. Wir begleiten die Malenden dabei.

Eine Fragestellung die häufig auftaucht: Was ist eigentlich der Unterschied zwischen eurem „Begleiteten Malen“ und anderen „normalen“ Malkursen? Auch in den künstlerischen Malkursen geht es doch um Kreativität und die Freude am Malprozess. Diese Frage lässt sich oft klären, wenn wir uns Zeit nehmen, um Begleitetes Malen zu erklären. Dazu gab es ja bereits in diesem Interview, sowie den anderen Beiträgen und auf diesem Blog viele Hinweise.

„Das ist ja lustig, bei euch malen die Kinder mit dem Pinsel und die Erwachsenen mit den Händen! Ich dachte, das ist eher umgekehrt?“ „Wieso malen denn die Erwachsenen mit den Händen?“ Manchmal gibt es neben diesen Fragen auch eine gewisse Abwehr, mit den Fingern zu malen. Hier verweisen wir im Vorgespräch gern auf die Gründe für diese Arbeitsweise: Das Malen mit den Händen ermöglicht das Spüren der Farbe, eine Nähe zum Bild und Motiv, ein bewussterer Farbauftrag ist möglich. Wir arbeiten auf diese Art mit allen Sinnen. Die geringere Distanz zum Motiv ermöglicht ein stärkeres eigenes Erleben. Das Eintauchen ins Bild und die Verbundenheit mit dem Bild und dem Thema werden unterstützt.

Die Malenden können ihren Perfektionismus einfach vor der Ateliertüre lassen.

Nebenbei hat die Arbeit mit Fingern und Händen einen weiteren positiven Effekt: der angesprochene künstlerische Erwartungsdruck wird entlastet – mit den Fingern kann man ja gar nicht so perfekt und detailliert malen. Die malende Person kann so mit sich selbst „gnädig“ sein und den eigenen Perfektionismus ein Stück weit ablegen, sich selber „locker machen“. Die Malenden können ihren Perfektionismus einfach vor der Ateliertüre lassen.

Wer jetzt neugierig geworden ist und ausprobieren möchte, ob Malen ihm oder ihr auch guttun könnte, obwohl die Schulzeit schon länger vorbei ist – wann kann er oder sie zu euch kommen?
Wir bieten neben laufenden Malkursen auch Workshops an. Natürlich sind aber auch die „Kleinen“ bei uns herzlich willkommen.

Aktuelle Termine und weitere Informationen finden Sie auf der Website.

Liebe Yvonne, liebe Edith, vielen Dank, dass ihr in diesem Interview mit den Vorurteilen gegenüber dem Malen aufgeräumt habt. Vielleicht macht das mehr Erwachsenen Mut, sich auf das Malen einzulassen. Was möchtet ihr mit mir und den Lesern und Leserinnen an dieser Stelle noch teilen?
Es ist uns eine Herzensangelegenheit, die Erfahrungen mit dem Begleiteten Malen auch in unserem Wohnort Rüsselsheim anbieten zu können. Und als uns dann die jetzt angemieteten Räume zufällig „über den Weg“ liefen, haben wir uns entschieden, trotz der schwierigen Coronasituation mit ihren Kontaktbeschränkungen, Hygiene- und Abstandregeln unser Projekt zu wagen.

Der Name MalRaum Farbenfluss war schnell gefunden – unser MalRaum liegt im Rüsselsheimer „Flüsseviertel“ in der Elbestraße und kann jetzt zum Hafen für alle Malbegeisterten werden, die die Farben ins Fließen bringen möchten!

Website: www.farbenfluss.net
E-Mail: malraum@farbenfluss.net
Edith Röhr: 0176 52 80 40 59
Yvonne Strelow-Weiß: 0170 28 64 344


Die Bilder wurden freundlicherweise von Edith Röhr und Yvonne Strelow-Weiß MalRaum FARBENFLUSS zur Verfügung gestellt.

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