Luft anhalten? Danke, nein!

Luft anhalten? Danke, nein! Den Atem wahrnehmen – versteckte Anspannung lockern

Wir meistern täglich viele Herausforderungen. Auch ein ganz “ normaler “ Tag hält jede menge Entscheidungen, Anstrengungen und Unangenehmes  bereit. Was oft vergessen wird- so vieles davon schaffen wir prima! Wir erledigen Pflichtaufgaben, widerstehen dem dritten Schokoladenriegel, pflegen soziale Kontakte, denken daran den Herd auszuschalten obwohl das Telefon klingelt, gehen unseren Tätigkeiten nach, weichen einer Pfütze aus, vergessen dann doch nicht zum Geburtstag zu gratulieren, steuern Einkaufswägen und Autos, entscheiden und gegen den Streit mit den Nachbarn und können vielleicht sogar noch den Sonnenschein genießen. Naja, meistens auf jeden Fall. Vieles erledigen wir routiniert, ohne lange nachzudenken. Wir folgen unseren Plänen oder unserer Intuition. Auch kleine unangenehme Situationen meistern wir und sie sind bald vergessen. Oft bemerken wir nicht einmal alles, was uns unangenehm ist, was uns anstrengt. Am Ende eines Tages kann es aber geschehen, dass wir uns besonders müde und erschöpft fühlen und gar nicht recht wissen, wo der „Stress“ herkam, was unseren Körper so erschöpft hat.

Eine Möglichkeit ist es, achtsam zu sein gegen über solchen „Mini-Stressoren“. Das bedeutet kleinere (und größere) Situationen, die uns im Alltag belasten, bewusst wahrzunehmen. Ein gutes „Frühwarnsystem“ ist unser Körper. Häufig reagieren wir auf der physiologischen, der körperlichen Ebene direkt und halten beispielsweise den Atem an. Ein mehr oder weniger unbewusstes „Luft anhalten“, bis (hoffentlich) alles vorbei ist. Ähnlich einem „Augen zu und durch“. Nicht nur der Atem verändert sich. Wenn wir in solchen Situationen innehalten und unsere Aufmerksamkeit auf unseren Körper lenken können wir bemerken, wie wir die Schultern hochziehen, wie unsere Hände feucht werden oder auf einmal eine Faust ballen, wie ein Prickeln oder ein Schaudern uns durchströmt, wie sich unser Innerstes zusammen zieht und unsere Muskeln insgesamt angespannt sind. Ein Problem? Ganz und gar nicht- dies stellt eine normale körperliche Reaktion auf eine besondere Situation dar. Es ist gesund, auf Herausforderungen mit ein bisschen Spannung & Aufmerksamkeit zu reagieren. Dazu gibt es in der Stressforschung jede Menge Erklärungen und Lesestoff.

Wenn der Körper auf „Habt-Acht-Stellung“ bleibt

Worum es mir in diesem Beitrag geht ist Folgendes: Nicht immer löst sich die körperliche Anspannung auch wieder auf, wenn die Situation, die Aufgabe gelöst ist. Auch wenn wir weiter unserem Alltag folgen, der Körper bleibt vielleicht in „Habt-Acht-Stellung“. Wenn sich der Körper jedoch nicht entspannen kann, bleibt der „Stress“ und kann dauerhaft zu der angesprochenen Erschöpfung und gesundheitlichen Schäden führen.

Der heutige Impuls: Achten Sie doch einmal bewusst darauf, wie sich ihr Körper anfühlt. Machen Sie einen „Körper-Scan“. Wenn Sie das nächste Mal bemerken, dass sie etwas Wichtiges vergessen haben, Ihnen fast ein Teller herunter gefallen ist, sie mit dem neuen Wagen in eine enge Parklücke müssen, wenn sie jemandem begegnen, den Sie ganz und gar nicht mögen oder Sie daran denken, welchen Fehler Sie gestern vielleicht gemacht haben könnten: Halten Sie Ihren Atem an? Wird Ihnen kalt oder warm? Wie fühlt sich Ihr Körper an, wenn er gestresst ist. Beobachten Sie ganz genau, was in Ihnen vorgeht. In  der Audiodatei unten finden Sie eine begleitende Übung zu dieser Selbstbeobachtung.

Da Wahrnehmen ist dabei aber nur der erste Schritt. Wenn Ihnen der Atem stockt- helfen Sie Ihrem Körper beim Entspannen. Und das geht z.B. ganz einfach, indem Sie einmal tief durchatmen. Statt innerer Erstarrung und Anspannung fließender, wohltuender Atem. Vielleicht kennen Sie auch eine Atemtechnik? Was immer hilfreich ist, ist ein tiefes Einatmen, bei dem der Bauch richtig schön rund werden darf, und ein Ausatmen, bei dem sich der Bauch, Körper und Kopf entspannen dürfen. Das tut nicht nur gut, sondern ein gleichmäßiger, ruhiger Atem sendet auch eine Art „Beruhigungs-Botschaft“ an das Gehirn. Das Gehirn teilt wiederum dem Körper dann mit: Keine Gefahr- du darfst entspannen.

Und als Bonus: Durch die Übung bei Alltagssituationen den Körper wahrzunehmen und bei Anspannung tief durchzuatmen hilft man seinem Körper nicht nur direkt. Man lernt auch in Zukunft stressige Situationen schneller zu erkennen. Selbst wenn der Kopf noch gar nicht erkannt hat, dass ihm hier etwas nicht gefallen könnte, der Körper signalisiert mir „Hoppla, das ist anstrengend!“. Und ich? – Atme aus. Es lässt sich schließen: Luft anhalten? – Danke, nein! Atmen Sie ruhig mal öfters tief durch.


Luft anhalten? Danke, nein! Eine Übung zum achstamen Wahrnehmen des Körpers.

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